Magnesium steht auf jedem Etikett. Die Verbindung nicht.
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Auf der Vorderseite steht „200 mg Magnesium". Diese Angabe ist korrekt, vorgeschrieben — und sie sagt Ihnen nicht, was Sie eigentlich kaufen. Denn reines Magnesium existiert in einer Kapsel nicht. Es steckt immer in einer Verbindung, und welche das ist, entscheidet über Rohstoffkosten, Kapselgröße und darüber, wie viel überhaupt in ein Produkt passt.
Warum die Zahl auf der Vorderseite nichts über die Verbindung sagt
Magnesium ist ein Metall. In Lebensmitteln kommt es nur gebunden vor — an Sauerstoff, an eine organische Säure, an eine Aminosäure. Der Gesetzgeber verlangt in der Nährwerttabelle die Angabe des elementaren Magnesiums, also des reinen Metallanteils.
Das ist sinnvoll, weil man sonst nichts vergleichen könnte. Es bedeutet aber auch: „200 mg Magnesium" auf zwei verschiedenen Dosen ist derselbe Metallanteil aus möglicherweise völlig verschiedenen Ausgangsstoffen. Die Zahl allein unterscheidet nicht.
Wo die Verbindung tatsächlich steht
Im Zutatenverzeichnis. Nicht in der Nährwerttabelle, nicht auf der Vorderseite. Das Zutatenverzeichnis ist die durchlaufende Liste, meist kleiner gesetzt, oft auf der Rückseite oder Unterseite. Dort muss der eingesetzte Stoff mit seinem tatsächlichen Namen stehen.
Sie suchen also nicht nach „Magnesium", sondern nach dem, was direkt dahinter oder in Klammern steht:
- Magnesiumoxid
- Magnesiumcitrat
- Magnesiumcarbonat
- Magnesiumbisglycinat (auch: Magnesiumglycinat, Magnesium-Chelat)
- Magnesiummalat, Magnesiumtaurat und weitere
Steht dort nur „Magnesiumverbindung" oder taucht der Stoff ausschließlich in einem „Magnesium-Komplex" ohne Auflösung auf, dann haben Sie Ihre Antwort auch — nur eine andere als erhofft.
Der Unterschied, den man rechnen kann
Jede Verbindung enthält einen anderen Anteil an elementarem Magnesium. Das ist keine Interpretationsfrage, sondern folgt aus den Atommassen:
| Verbindung | Anteil elementares Magnesium | Rohstoff für 200 mg Magnesium |
|---|---|---|
| Magnesiumoxid | rund 60 % | rund 330 mg |
| Magnesiumcitrat | rund 16 % | rund 1240 mg |
| Magnesiumbisglycinat | rund 14 % | rund 1420 mg |
Für dieselbe Zahl auf dem Etikett braucht ein Hersteller mit Bisglycinat also gut das Vierfache an Rohstoff wie mit Oxid. Das kostet mehr, und es braucht vor allem mehr Platz.
Damit erklärt sich eine Beobachtung, die man im Regal immer wieder macht: Je kompakter ein Produkt beworben wird — eine Kapsel täglich, kleine Tablette —, desto häufiger findet sich Oxid im Zutatenverzeichnis. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil die günstigeren und volumenärmeren Verbindungen die einzigen sind, die unter diesen Bedingungen hineinpassen.
Was wir hier bewusst nicht behaupten
Über Verbindungen und ihre Aufnahme im Körper wird viel geschrieben. Wir schreiben es hier nicht — und zwar nicht aus Zurückhaltung, sondern weil es uns nicht erlaubt ist.
In der EU dürfen bei Nahrungsergänzungsmitteln nur solche gesundheitsbezogenen Aussagen verwendet werden, die in einer amtlichen Liste stehen (Verordnung 1924/2006). Für Magnesium gibt es solche zugelassenen Aussagen, sie beziehen sich aber auf Magnesium — nicht auf eine bestimmte Verbindung. Eine Aussage wie „Verbindung X wirkt besser als Y" ist nicht zugelassen und wäre damit unzulässige Werbung, unabhängig davon, was einzelne Studien nahelegen.
Wir halten das für eine gute Regel. Und sie ändert nichts an dem, was Sie selbst tun können: nachsehen, welche Verbindung eingesetzt wurde, und die Information in Ihre Entscheidung einfließen lassen. Die Angabe steht auf jeder Packung. Sie ist nur klein gedruckt.
Dreißig Sekunden im Regal
- Dose umdrehen, Zutatenverzeichnis suchen — die durchlaufende Liste, nicht die Tabelle.
- Das Wort Magnesium finden und lesen, was unmittelbar daran hängt.
- Findet sich dort kein konkreter Verbindungsname, ist das die Antwort.
Dasselbe funktioniert bei Zink, Eisen, Selen und Chrom. Überall dort verbirgt sich hinter einer sauberen Milligrammzahl eine Verbindung, die auf der Vorderseite niemand nennt.
Was bei uns steht
Unser Multivitamin enthält 200 mg Magnesium als Magnesiumbisglycinat. Das ist einer der Gründe, warum eine Tagesportion bei uns fünf Kapseln umfasst und nicht eine — der Rohstoff braucht schlicht den Platz.
Sie müssen uns das nicht glauben. Es steht in der Deklaration, zusammen mit den Mengen aller 32 Wirkstoffe.